Was tun bei Burnout?

Prof. Dr. Verena Briner, FRCP
Prof. Dr. Verena Briner, FRCP
Healthy Lifestyle
Erschöpfung, Mutlosigkeit und innere Leere – es gibt viele Warnzeichen für einen Burnout. Doch worauf muss man wirklich achten? Und was tun, wenn es bereits zu spät ist?

Burnout gilt als Volkskrankheit und als Massenleiden der modernen Arbeitswelt. Doch die Erkrankung ist gar nicht so leicht zu erfassen. Denn der bekannte Name ist eigentlich ein Oberbegriff für verschiedene Symptome und Krankheiten. Es existiert keine einheitliche Definition und auch keine entsprechende medizinische Diagnose. Dennoch ist die Krankheit sehr real und die Betroffenen leiden ohne eine professionelle Therapie manchmal ein Leben lang unter den Folgen.

Doch worum handelt es sich dabei wirklich? Der deutsche Ausspruch „ausgebrannt sein“ ist bereits eine gute Annäherung. Diese freie Übersetzung bezeichnet das Gefühl, „einfach nicht mehr zu können“ und nicht mehr in der Lage zu sein, weiterzumachen. Insofern ist ein Burnout ein Zustand nicht mehr aushaltbarer emotionaler und oft auch körperlicher Erschöpfung. Meistens aber nicht ausschließlich tritt die Krankheit im Zusammenhang mit dem Berufsleben auf.

Diese Beschreibung trifft dabei auch auf viele Depressionen und andere Erkrankungen zu. Doch gerade das ist auch das Wesen und eine Schwierigkeit des Burnout-Syndroms. Es ist oftmals eine Ausweichdiagnose und die Probleme bei der Arbeit nicht das ursprüngliche Problem. Dennoch lohnt sich die Auseinandersetzung mit dem Themen Stressbewältigung und psychischen Erkrankungen. Psychische Erkrankungen werden noch immer viel zu oft verharmlost und zu spät behandelt.

 

Erste Anzeichen

Dabei gibt es oft Frühwarnzeichen. Ein Burnout kommt nicht wie das sprichwörtliche Monster plötzlich unter dem Bett hervor, auch wenn es den Betroffenen manchmal so vorkommt. Bei vielen Menschen, die großen Stress empfinden, baut sich über einen längeren Zeitraum ein immer stärkerer psychischer Druck auf, der nicht entladen werden kann.

Nicht selten gibt es klare körperliche Beschwerden, die jedoch umgedeutet oder gar nicht wahrgenommen werden. Zu den ersten Anzeichen gehören oft anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung und allgemein eine nachlassende Leistungsfähigkeit. Symptome wie Kopfschmerzen, Magen-Darm-Probleme oder Schlaflosigkeit kommen oft hinzu. Wer solche Probleme an sich bemerkt, sollte sehr selbstkritisch hinterfragen, ob nicht mehr dahinterstecken könnte.

Nicht weniger wichtig, aber oft noch schwieriger zu erkennen, sind jedoch die psychischen Symptome. Zentral ist meist das Gefühl, „einfach nicht mehr zu können“. Das geht einher mit einem Rückzug ins Innere, gleichzeitig mit innerer Leere und einem Gefühl der Sinnlosigkeit. „Warum tue ich das alles?“ und „das hat doch alles keinen Sinn“ sind häufige Gedanken von Betroffenen. Hinzu kommen Angstgefühle, eine Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben und oft auch ein geringes Selbstwertgefühl.

Generell lassen sich die meisten Symptome und Anzeichen des Burnout-Syndroms einer emotionalen Erschöpfung, Erfahrungen der Depersonalisierung oder dem Erleben von Misserfolg zuordnen.

 

Burnout Test: Maslach-Burnout-Inventory (MBI)

Auf diesen Kategorien basieren auch die meisten Tests, die eingesetzt werden können, um herauszufinden, ob ein Burnout-Syndrom vorliegt. Neben verschiedenen Selbsttests setzen auch viele Ärzte spezielle Fragebögen ein, um Indizien für eine Erkrankung zu erhalten. Der am weitesten verbreitete Test ist der Maslach-Burnout-Inventory (MBI), der ursprünglich bloß Forschungszwecken dienen sollte, sich mittlerweile aber bewährt hat.

Bei allen Tests muss jedoch immer an die Limitationen solcher Abfragen gedacht werden. Selbsttests sind per se bereits fehleranfällig und bei einem uneindeutigen Krankheitsbild ist die Aussagekraft stets mit besonderer Vorsicht zu genießen.

 

Ursachen für Burnout

Erst im Gespräch mit einem Arzt oder in einer Therapie kann dann in Ruhe nach der Ursache geforscht und diese therapiert werden. Meistens hängt das, was die meisten Menschen mit dem Thema Burnout verbinden, eng mit dem Beruf zusammen. Die meisten Fälle lassen sich einem der folgenden Themen zuordnen:

  • schlechtes Betriebsklima
  • übermäßiger Stress
  • Leistungsdruck und zu hohe Erwartungen an sich selbst
  • schwelende Konflikte
  • unklare Hierarchien
  • Mobbing
  • Angst vor Arbeitsplatzverlust
  • Sinnkrisen
  • Doppelbelastung aus Job und Privatleben ("Work-Life Balance")

Natürlich existieren daneben noch viele andere mögliche Ursachen, zumal ein Burnout auch im privaten Umfeld seinen Anfang nehmen kann. Die Überschneidungen zu Depressionserkrankungen sind, wie gesagt, zahlreich.

Grundsätzlich kann aber jeder Mensch an einem Burnout-Syndrom erkranken. Es gibt zwar besonders gefährdete Berufsgruppen, wie Lehrer oder Leistungssportler, doch auch Studenten, Rentner und Hausfrauen leiden immer öfter unter der Krankheit. Risikofaktoren können unter anderem ein zu geringes Selbstwertgefühl, Perfektionismus und übertriebener Ehrgeiz sein.

 

 

Was tun?

Es ist in jedem Fall entscheidend, ein Gefühl für die Krankheit zu entwickeln und bei den geringsten Anzeichen einen Arzt oder Therapeuten aufzusuchen. Je eher die Betroffenen eines Burnout-Syndroms realisieren, dass sie Hilfe benötigen, desto besser sind die Heilungschancen.

Welche Methoden notwendig sind, ist individuell und mit professioneller Hilfe zu entscheiden. Ein erster Schritt sollte es sein, Stressauslöser zu vermeiden. Oft gehört dazu eine Krankschreibung und das Fernbleiben vom Arbeitsplatz. Davor sollte man keine Angst haben. Kurzfristig können solche Mittel bereits helfen. Langfristig geht es jedoch darum, die eigene Lebensweise zu hinterfragen und in eine Umgebung einzutreten, die sich mit den Vorstellungen, Wünschen und Bedürfnissen des Betroffenen besser vereinbaren lässt. Das kann durchaus auch einen Jobwechsel und eine grundsätzliche Neuausrichtung bedeuten.

 

Kuraufenthalte und Urlaub als erste Maßnahmen

Um Stress zu vermeiden und einen Schritt aus der Krise heraus zu machen, ist eine Auszeit hilfreich. Besonders Entspannungsurlaube und Kuraufenthalte können eine besonders gute Wirkung entfalten. Dabei kann die konkrete Ausgestaltung ganz unterschiedlich sein. Die Bandbreite reicht von sportlichen Wanderurlauben bis hin zu Wellness-Oasen. Das Motto lautet:  Sich selbst etwas Gutes tun!

Dabei sollte die investierte Zeit jedoch gezielt der Behandlung des Burnouts dienen. Eine spezifische Burnout-Kur können Sie beispielsweise in verschiedenen spezialisierten Kliniken und Kurhotels machen. Jeder Mensch benötigt eine ausreichende körperliche und geistige Entspannung. Längere Aufenthalte in entsprechenden Hotels und das Wahrnehmen von Health- und Wellness-Angeboten kann helfen, das Gleichgewicht wiederherzustellen.

Im Waldhotel Bürgenstock bieten wir beispielsweise das Programm Mindfulness Pro an, bei dem auf ein ausgewogenes Gleichgewicht aus Naturheilmitteln, Ernährungsprinzipien, Achtsamkeit und der natürlichen Behandlung ihrer Gesundheit besonderen Wert gelegt wird. Bestenfalls wird ein solches Angebot bereits zur Prävention wahrgenommen. Wenn der Stress erst einmal zu viel und die Beschwerden zu groß geworden sind, ist es manchmal bereits zu spät.

Entscheidend bleibt in jedem Fall die Einsicht, dass der Burnout kein Fehler ist, nichts Falsches, Peinliches oder Schwaches. Körper und Geist sagen Ihnen, dass Sie in eine Richtung unterwegs sind, die Ihnen nicht gut tut. Der Burnout ist die Chance, etwas daran zu ändern!