Übergewicht  - Nicht der Mensch ist schwach, sondern die Hormone machen krank.

Weight Management
 Interview mit Dr. med. Martin Sykora 

Fettleibigkeit ist eines der Hauptprobleme der heutigen Gesellschaft. Es handelt sich dabei um ein komplexes Krankheitsbild mit grossen gesundheitlichen Auswirkungen wie Diabetes Typ 2 oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dr. med. Sykora begleitet seit Jahren übergewichtige Patienten bei der langfristigen Gewichtsabnahme. Die operative Magenverkleinerung zeigt dabei den grössten Erfolg. 
 

Dicke Menschen werden oft als undiszipliniert und faul abgestempelt. Welche Erfahrung haben Sie mit Ihren Patienten gemacht? 

Dieses Vorurteil ist komplett falsch. Bei schwerstem Übergewicht ist in den allermeisten Fällen die Ursache genetisch bedingt. Die Hunger- und Sättigungshormone des Darms funktionieren nicht richtig (siehe Box für weitere Informationen). Wenn die Patienten zu mir kommen und dies zum ersten Mal hören, sind sie enorm erleichtert. Die schwere Last der Selbstvorwürfe fällt von ihnen ab. Die Therapie bei uns beginnt immer mit dem ersten, wichtigsten Schritt: Der Aufklärung über die medizinisch nachgewiesenen Ursachen des Übergewichts. Damit beginnt der Weg zur Gewichtsabnahme.  

Eigentlich könnte eine Gewichtsabnahme auch alleine durchgeführt werden. Wann empfehlen Sie einen Besuch beim Adipositas-Spezialisten? 

Geht es um ein paar Kilos, die man sich über Weihnachten angefuttert hat, ist das mit gutem Willen, einer leichten Ernährungsumstellung und Sport möglich. Bis zu 7 kg Gewichtsverlust kann man alleine schaffen. Sollten aber 30 kg weg, ist dies ohne Hilfe kaum möglich. Die Ursache bei hohem Übergewicht liegt wie gesagt in den Genen und nicht im Verhalten. Schicke ich einen solchen Patienten zur Ernährungsberatung, sinkt das Gewicht anfangs etwas, nach ein paar Jahren ist die Person jedoch meist schwerer als zuvor. Wie Studien zeigen, ist die so erhoffte Gewichtsabnahme bei nur 4% aller Patienten von Dauer. In der Adipositas-Beratung kann dem Patienten langfristig geholfen werden. 

«Wer langfristig mehr als 7 kg abnehmen will, braucht medizinische Unterstützung.» 

Wie beraten Sie Ihre Patienten? Gehen Sie bei jedem Patienten gleich vor? 

Uns ist der ganze Mensch wichtig, auch die Psyche und das private Umfeld. Ehrliche Ziele sind von Anfang an wichtig. Wenn sich jemand körperlich fitter fühlen möchte, ohne die Gewichtsabnahme in den Vordergrund zu stellen, dann sind wir mit Ernährungsberatung und sportlicher Betätigung bestens dabei. Will der Patient mehr, so gibt es Medikamente, die den Appetit verringern. Die Medikamente müssen aber dauerhaft eingenommen werden, sonst steigt das Gewicht wieder an. Trotzdem versuchen wir diesen Schritt bei allen, da einzelne es so bereits langfristig schaffen. Wenn sich der Erfolg aber nicht einstellt oder wenn noch weitere Erkrankungen wie Diabetes zum Übergewicht hinzukommen, ist eine operative Magenverkleinerung nötig. 

Ein Gast kommt ins Waldhotel und will Gewicht abnehmen. Was erwartet ihn? 

Im Waldhotel Health & Medical Excellence residieren die Patienten in einem exklusiven 5-Sterne-Hotel mit ausgezeichnetem medizinischen Service. Das Programm «Weight Management & Metabolism» ist abgestimmt auf Gäste mit dem Wunsch nach einer Gewichtsabnahme. Für eine operative Magenverkleinerung arbeitet das Waldhotel mit dem Adipositaszentrum Zentralschweiz zusammen, zu welchem das Kantonsspital Nidwalden und das Zentrumsspital Luzern gehören. Diese starke Vernetzung ist das Besondere am Waldhotel. So kann jedes medizinische Problem vom jeweiligen Spezialisten behandelt werden. Die persönliche Betreuung ist durch die räumliche Nähe der Zentren gewährleistet, was die Qualität der Behandlung enorm steigert. 

Ein Patient reist für eine operative Magenverkleinerung in die Schweiz. Wie viel Zeit muss er für die Behandlung einrechnen? 

Insgesamt etwa vier Wochen: Während den Vorbereitungen und Voruntersuchungen, die etwa zehn Tage dauern, geniesst der Patient den Aufenthalt im Waldhotel. Für die Operation kommt er vier Tage ins Kantonsspital Nidwalden und kann dann wieder zurück ins Waldhotel, wo er medizinisch weiter begleitet wird und sich in einer komfortablen Hotelumgebung erholen kann. Nach etwa zehn bis vierzehn Tage ist der Heilungsprozess und die Ernährungsumstellung soweit fortgeschritten, dass der Patient wieder sicher nach Hause reisen kann. 

Betreuen Sie die Patienten auch langfristig, wenn sie wieder in ihrem Heimatland zurück sind?  

Ja, natürlich: Es ist mir sehr wichtig, dass wir die Patienten lange begleiten, manchmal bis zu fünf Jahren. Wir halten regelmässigen Kontakt per Videoanrufe, auch die Ernährungsberatung findet internetbasiert statt. Die erste Nachkontrolle nach einem Jahr findet idealerweise vor Ort im Waldhotel statt. Ist dies nicht möglich, arbeiten wir mit den Kollegen im Ausland zusammen.  Diese Langzeitbetreuung internationaler Gäste ist aussergewöhnlich im Vergleich zu anderen chirurgischen Zentren und hat es uns ermöglicht, viel Erfahrung und Know-how zu sammeln.  

Im Vergleich zu anderen Ländern ist die Schweiz führend in der Behandlung von Übergewicht. Wie hat sie diesen Spitzenplatz erlangt? 

Die Schweiz hat bezüglich der Adipositas-Therapie international eine deutliche Vorreiterrolle und ist eine der ersten Nationen, welche die operative Behandlung von Übergewicht auch gesetzlich anerkannte. Auch auf medizinischen Fachkongressen hat die Schweiz einiges zu bieten. Die ganze Behandlungsphilosophie, vom Erkennen des Krankheitsbildes über die medikamentöse und die operative Therapie, ist aus einem Guss und gut etabliert. Das ausgezeichnete Gesundheitssystem, die grosse Erfahrung mit dem Thema Übergewicht und das gute Zusammenspiel der Therapeuten und Spezialisten sind in der Schweiz wirklich besonders.   

Der Einfluss der Darm-Hormone bei Übergewicht

Bei stark übergewichtigen Patienten ist der Regelmechanismus von Hunger und Sättigung im Körper gestört. Appetitanregende Hormone werden vermehrt ausgeschüttet, während andere Hormone vermindert sind, welche die Sättigung und die Insulinausschüttung steuern. Durch eine Magenverkleinerung wird dieser Regelmechanismus wieder korrigiert. Die Wirkung mit weniger Hunger und besserer, körpereigener Insulinausschüttung setzt sofort nach der Operation ein und hält langfristig an. Dadurch wird das Übergewicht reduziert und eine Diabetes-Erkrankung abgeschwächt oder ganz geheilt.

Zur Person 

Dr. med. Martin Sykora leitet als Chefarzt der Chirurgie am Kantonsspital Nidwalden eines der grössten Adipositaszentren der Schweiz, wozu auch das Zentrumsspital in Luzern gehört. Am Waldhotel Health & Medical Excellence ist er Facharzt für die Therapie von Übergewicht und führt die Operationen zur Gewichtsreduktion durch.