Vitamin D

PROF. DR. MED. VERENA BRINER, FRCP
PROF. DR. MED. VERENA BRINER, FRCP
Body & Mind
 Unsere Haut produziert Vitamin D, wenn sie der Sonne ausgesetzt ist. Um Hautkrebs vorzubeugen, schützen wir die Haut mit Sonnenschutzmitteln. Der Nebeneffekt ist, dass wir oft zu wenig Vitamin D haben. Dies kann die Knochen schwächen und das Risiko von Knochenbrüchen erhöhen.

 


Allgemein müssen Vitamine mit der Nahrung aufgenommen werden und können vom Körper nicht selbst hergestellt werden. In der Medizin gibt es immer wieder Ausnahmen. So auch bei den Vitaminen. Die Haut ist in der Lage, Vitamin D zu produzieren, wenn sie der Sonne ausgesetzt ist. Um der Entstehung von Hautkrebs vorzubeugen, wird jedoch empfohlen, sich so wenig wie möglich der Sonne auszusetzen und einen Sonnenschutz zu verwenden. Eine Krankheit, die vor mehr als 70 Jahren verschwunden ist, kehrt deshalb zurück.

Ältere Generationen erinnern sich, dass vor Jahren Kleinkinder häufig eine O-förmige Verformung der Beine hatten. Die Ursache dafür war ein Vitamin-D-Mangel. Seither erhalten Neugeborene routinemässig Vitamin-D-Präparate, um die Rachitis zu verhindern. Vitamin D ist wichtig für die Aufnahme von Calcium und Phosphat aus der Nahrung. Das Molekül muss erst in der Leber und der Niere zum aktiven Metaboliten 1,25-Dihydroxycholecalciferol aktiviert werden. Eine schwer erkrankte Leber oder Niere kann diese Vitamin-D-Aktivierung nicht mehr vollziehen und so zur Knochenerkrankung führen.

Heutzutage schützen Körperlotion und Sonnencreme vor UV-Licht (280-320nm), Hautkrebs und vorzeitiger Hautalterung. Andererseits zeigen in unserer Gegend mehr als 60% der Menschen eine niedrige Konzentration von Vitamin D im Blut (25-Hydroxy-Vitamin D <50nmol/l im Blut) und damit ein erhöhtes Risiko für eine Knochenschwächung für Knochenbrüche nach bereits kleinen Traumata. Der Knochen ist kein statisches Organ. Osteoklasten bauen den Knochen ab und Osteoblasten bauen ihn auf. Der normale Knochenstoffwechsel benötigt Calcium und Phosphat, um das Gerüst (Matrix) des Knochens zu härten. Darüber hinaus hat Vitamin D auch einen direkten Einfluss auf die Funktion der Muskelfasern. Ein niedriger Vitamin-D-Spiegel erhöht das Risiko für Stürze und zusätzlich zu Frakturen der Wirbelsäule und der Hüfte. Im Röntgenbild können spontane Pseudofrakturen des Beckens, der Rippen und Beine sichtbar werden.

Im Waldhotel können Sie die Knochendichte (DEXA Scanning) und damit das Frakturrisiko einfach messen lassen.

Viele Organe weisen spezifische Rezeptoren für Vitamin D auf. Dieser Befund lässt auf weit mehr Wirkungen von Vitamin D schliessen als auf das Skelett und die Muskeln. Wissenschaftliche Studien lassen den Zusammenhang vermuten zwischen Vitamin-D-Mangel und einem erhöhten Risiko für rheumatoide Arthritis, der Entwicklung und Beschleunigung von Autoimmunerkrankungen, postoperativ häufigeren Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern), verlängerten Blutungen, erhöhtem Infektionsrisiko und eingeschränkter Nierenfunktion bei Patienten mit niedrigem Vitamin-D-Spiegel im Blut. Vitamin D moduliert das Immunsystem durch Proliferation und Differenzierung von Lymphozyten und monozytären Blutzellen und hat entzündungshemmende Wirkung. Auch Zytokine scheinen daran beteiligt zu sein. Natürlich ist auch zu viel Vitamin D nicht gesund. Eine erhöhte Konzentration von Vitamin D führt zu einem hohen Calciumspiegel im Blut und kann die Nierensteine verursachen und die Niere schädigen, den Darm sowie die Gehirnfunktion beeinträchtigen.

Im Waldhotel Checkup messen wir routinemässig nebst anderen Parametern die Calcium- und Vitamin D-Konzentration im Blut.

Unser Körper ist ein komplexes System, das von vielen kleinen Einheiten abhängt, die aufeinander abgestimmt sind. In der Regel gibt es eine Substanz, die eine bestimmte Wirkung hervorruft, und eine andere, die hemmend wirkt, um das System im Gleichgewicht zu halten. Der Calciumstoffwechsel wird durch Vitamin D und das Parathormon (PTH) reguliert. Vitamin D ermöglicht die Calciumaufnahme aus dem Darm. Ein Anstieg des Calciumspiegels im Blut hemmt das PTH. Ein niedriger Calciumspiegel im Blut erhöht die PTH-Konzentration der Nebenschilddrüse, um Calcium aus dem Knochen zu lösen und die Blutkonzentration normal zu halten. Dadurch stabilisiert sich die Calciumkonzentration im Blut. Allerdings nimmt die Mineralisierung des Knochens bei steigendem PTH ab. PTH wird unterdrückt, wenn der Vitamin-D-Spiegel im Blut >70nmol/l beträgt.

Eine Vielzahl von Blutuntersuchungen, inkl. die Parat- und andere Hormonkonzentrationen können durchgeführt werden. So sind Unter- und Überfunktion von Drüsen oder Mangel an Spurenelementen usw. erkennbar.

Vitamin D in der Nahrung reicht meistens nicht aus, um die Blutkonzentration von 25-0H-Vitamin D im Normalbereich zu halten. Sehr fetthaltige Fische wie Lachs, Sardinen und Makrele haben eine hohe Konzentration an Vitamin D. Aber der Konsum reicht selten aus, um den Bedarf zu decken. Einige Lebensmittel sind daher mit Vitamin D angereichert (z. B. Margarine, Milch, Müsli). Der Tagesbedarf für Erwachsene: 800U Vitamin D. Auch die Calciumzufuhr muss normal sein (1000mg/Tag). In der Durchschnittsbevölkerung der über 65-Jährigen reduziert die Ergänzung von Vitamin D und Calcium (800U und 1000mg Calcium) die Anzahl der Stürze und Hüftfrakturen um 30%!

Osteomalazie (ist der Vitamin D Mangel beim Erwachsenen) wird auch bei Personen mit niedriger Calciumzufuhr (Erwachsene: 1000mg/Tag) beobachtet, nicht nur bei Vitamin D Mangel.

Allgemein empfiehlt es sich ein breite Basisuntersuchung durchzuführen, um allfällige Risiken für Krankheiten zu erfassen und möglichst den Ausbruch einer Krankheit zu verhindern oder wenigstens den Beginn zu verschieben oder den Schweregrad zu reduzieren.

Wenn Sie lernen möchten, welche Nahrungsmittel Ihre Gesundheit in diesem Sinne besonders günstig beeinflussen, empfehlen wir auch die "Cooking Classes" mit unserer Ernährungsberaterin oder unserem Chefkoch.

In der Haut regt die Sonne die Produktion von körpereigenem Vitamin D an. Somit unterscheidet sich Vitamin D von anderen Vitaminen, die ergänzt werden müssen. Deshalb wird Vitamin D jetzt Hormon genannt.